Kaum eine Frage wird bei der Geldanlage so leidenschaftlich diskutiert. Die ehrliche Antwort ist differenzierter als „das eine ist gut, das andere schlecht".
Wer sich mit Geldanlage beschäftigt, stößt schnell auf ein Lagerdenken: Auf der einen Seite die Verfechter kostengünstiger ETFs, auf der anderen die Fürsprecher aktiv gemanagter Fonds. Beide haben gute Argumente – und beide neigen dazu, die Nachteile der jeweils anderen Seite zu betonen. Wir halten wenig von dieser Grabenkämpferei. Sinnvoller ist die Frage: Was passt zu Ihren Zielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Haltung?
Ein ETF (Exchange Traded Fund) bildet in der Regel einen Index nach, etwa einen weltweiten Aktienindex. Er kauft also nicht gezielt einzelne Unternehmen aus, sondern kauft „den Markt" in seiner Breite. Daraus ergeben sich seine bekannten Stärken: sehr niedrige laufende Kosten, hohe Transparenz und eine breite Streuung schon mit kleinen Beträgen. Wer über lange Zeiträume regelmäßig anlegt, profitiert davon, dass wenig Kosten die Rendite schmälern.
Der Preis dafür ist zugleich sein Wesen: Ein ETF ist immer nur so gut oder schlecht wie der Markt, den er abbildet. Fällt der Markt, fällt der ETF mit – eine aktive Steuerung, die in schwierigen Phasen gegensteuert oder einzelne Bereiche meidet, gibt es beim klassischen Index-ETF nicht.
Bei einem aktiv gemanagten Fonds trifft ein Fondsmanagement bewusste Entscheidungen: Welche Unternehmen werden gekauft, welche gemieden, wie wird auf Marktphasen reagiert? Das Ziel ist, den Markt zu übertreffen oder Risiken gezielt zu steuern. Dafür fallen höhere Kosten an, weil dieses Management, die Analyse und der Handel bezahlt werden müssen.
Die berechtigte Kritik lautet: Viele aktive Fonds schaffen es über lange Zeiträume nach Kosten nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Das ist statistisch belegt und sollte man ehrlich benennen. Zugleich gibt es Segmente – etwa weniger effiziente Märkte, Spezialthemen oder nachhaltige Anlagestrategien mit klaren Ausschlusskriterien –, in denen aktives Management einen echten Mehrwert stiften kann, weil dort Auswahl und Urteilsvermögen zählen.
Für viele unserer Kundinnen und Kunden zählt nicht nur die Rendite, sondern auch, woran sie mit ihrem Geld teilhaben. Genau hier wird die Debatte spannender: Ein breiter Standard-ETF enthält oft auch Unternehmen, die man aus Überzeugung meiden würde. Wer werteorientiert anlegen möchte, findet daher sowohl nachhaltige ETFs mit definierten Kriterien als auch aktiv gemanagte Fonds, die Titel bewusst nach ökologischen und sozialen Maßstäben auswählen. Die Frage „ETF oder aktiv?" verbindet sich dann mit der Frage „Wie konsequent soll Nachhaltigkeit umgesetzt werden?".
Aus unserer Erfahrung ist die beste Antwort selten dogmatisch. Für den kostengünstigen, langfristigen Vermögensaufbau sind breit streuende ETFs ein hervorragendes Fundament. Für bestimmte Ziele, für eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie oder für eine aktivere Risikosteuerung können aktiv gemanagte Fonds sinnvoll ergänzen. Häufig ist eine Kombination der ruhigste Weg: ein solides, kostengünstiges Fundament, ergänzt um gezielt ausgewählte Bausteine.
Wichtig bleibt: Jede Geldanlage ist mit Chancen und Risiken verbunden, und vergangene Ergebnisse sind keine Garantie für die Zukunft. Unsere Aufgabe ist es, mit Ihnen herauszufinden, welche Mischung zu Ihrem Ziel, Ihrem Zeithorizont und Ihren Überzeugungen passt – statt eine Ideologie zu verkaufen.

Drei Beratungsthemen, eine Haltung – Finanzen mit Freude und Verantwortung gestalten.